|
von Palladio bis TIEPOLO: DIE VILLEN TIEPOLOS IN DER PROVINZ VON VICENZA
Mit der Bezeichnung Villen Tiepolos sind jene insbesondere in der Provinz von Vicenza präsenten Wohnsitze gemeint, in denen der große Maler eng mit dem Architekten zusammen gearbeitet hat - VILLA ZILERI del Biron in Monteviale, VILLA CORDELLINA in Montecchio Maggiore, oder jene Villen, an denen es ihm sogar gelungen ist, eine bescheidene Architektur seinem Willen zu unterwerfen, die Jahre vor seiner Arbeit entstanden ist, wie es bei der VILLA VALMARANA AI NANI von Vicenza der Fall ist. Dies geschah nämlich bei anderen bedeutenden Baudenkmälern nicht, wo Giambattista Tiepolo stets nach Vollendung der Bauarbeiten hinzustieß, um dann lediglich die Decke des Hauptsalons zu bemalen, wie es beispielsweise bei der Villa Pisani in Stra oder im Königspalast von Madrid der Fall war. In der Provinz von Vicenza wird also im Fall der drei vorstehend genannten Villen vor dem Namen des Architekten der des Freskenmalers genannt: GIOVANBATTISTA TIEPOLO (1696 in Venedig geboren und 1770 in Madrid gestorben).
Es ist demzufolge nicht unangebracht, die Entwicklung der Villa von Tiepolo zu untersuchen, deren Ursprünge auf die große Lehre Palladios zurückgehen, um sich dann im Endergebnis davon zu entfernen und exakt mit den Divergenzen zwischen dem Jahrhundert der Hochrenaissance und dem Jahrhundert der Aufklärung übereinzustimmen. Palladio nennt in seinen Quattro Libri dell'Architettura (Vier Büchern der Architektur) stets die Dekorateure seiner Villen, aber auch wenn dies nie ausdrücklich gesagt wird, ist zwischen den Zeilen die Überzeugung zu erkennen, dass das rationelle Raster und die Mathematik seiner Architektur auch ohne den Eingriff kunstfertiger Pinsel einen perfekt harmonischen Bau ergeben würden. In einem einzigen Fall scheint dies nicht eingetreten zu sein: der Villa Barbaro Maser, hier scheint die Arbeit Palladios und die Arbeit von Veronese gleichrangig vonstatten gegangen zu sein.
Die Villa im Allgemeinen – mit Ausnahme der Rotonda – hatte Palladio zu Folge ein sehr genaues Ziel: alle Funktionen eines einträglichen landwirtschaftlichen Betriebes zu erfüllen. In der Epoche von Tiepolo hatte der Herr der Villa eine andere Kultur und andere Einkünfte. Er verlangte vom Leben Bequemlichkeiten, die möglicherweise zur Zeit von Palladio seltsam anmuteten, wo der Mensch zwar stolz auf eine humanistische Kultur war, aber in der Furcht vor zwei Unglücken lebte: der Pest und der Hungersnot. Im 18. Jahrhundert, Tiepolos Zeit, begriff der Mensch, geschwächt von Pest und Hungersnot, dass er von der Landwirtschaft nicht mehr als ein bescheidenes Einkommen erwarten durfte. Der Besitz an Feldern war ein Zubrot zu den Einkünften aus einem hoch angesiedelten Beruf. Die Villa hob sein Ansehen, sein Prestige, gestattete ihm Freiheiten und eine Gastfreundschaft, die in der Stadt nicht zugelassen waren. Nach dem Untergang der Philosophie der „heiligen Landwirtschaft“ und der klassischen Kultur wurde die Villa daher zu anderen Zwecken genutzt.
Tiepolo fing das kulturelle Klima seiner Zeit auf und bot sich mit Hilfe des Architekten Massari und der Bildhauer Antonio und Francesco Bonazza an, die Villa zu schaffen, die der Herr verlangte: wo es möglich war, stützte er sich auf die Lehre von Palladio, jedoch mit der ganzen Distanziertheit eines Mannes des 18. Jahrhunderts. Unter Weglassung des erhabenen Frontons, der mit Säulen versehenen Vorhalle und des Portegos, der die Beletage der Villa von einer Fassade zur anderen durchschneidet, schafft er reizvolle kleine Räume, die diversen angenehmen Notwendigkeiten gerecht wurden. WÄHREND DIE FRESKENMALER DER VILLEN VON PALLADIO EINE THEOLOGIE DER GESCHICHTE SUCHTEN, ZEIGTE TIEPOLO LEDIGLICH EINE PHILOSOPHIE DER GESCHICHTE …
(Auszug aus "Le ville Tiepolesche" von Remo Schiavo)
ZUR BESICHTIGUNG DER VILLEN TIEPOLOS
Villa Valmarana ai nani Vicenza - 2 km vom historischen Zentrum in Richtung Staatsstraße 247 Riviera Berica Via dei Nani - Tel. 0444 321803 - 540431
Villa Cordellina Lombardi Montecchio Maggiore - 11 km von Vicenza Staatsstraße 11 Richtung Verona Via Lovara, 36 - Tel. 0444 696085 - Tel. 0444 399141
Villa Loschi Zileri Dal Verme Monteviale - Ortsteil Biron - 4 km vom historischen Zentrum Via Zileri, 1 - Tel. 0444 964190 - 0444 965023
TIEPOLO: „MUSEO DIFFUSO" (“VERSTREUTES MUSEUM”)
KIRCHE S.STEFANO - Vicenza historisches Zentrum Am Hauptaltar der Kirche ist der Schrein mit drei Gemälden von Giandomenico Tiepolo verziert. Die Gemälde lassen sich den Jahren 1758/60 zuordnen. Die einfarbig goldenen Bilder stellen den Heiligen Petrus, Johannes den Täufer und die Auferstehung dar. Die ersten beiden Werke sind eine Erfindung von Giandomenico, während das dritte, insbesondere hinsichtlich der Darstellung der Soldaten, die von dem göttlichen Licht getroffen werden, der Gedankenwelt des Meisters entsprungen ist.
KIRCHE DER HEILIGEN VITO, MODESTO und CRESCENZIA - Noventa Vicentina In dieser Kirche aus dem 18. Jahrhundert befindet sich in einem Seitenaltar ein Altarbild mit der Darstellung der Heiligen Rocco und Sebastian. Die Datierung dieses Ölgemäldes geht auf die Jahre 1758-60 zurück. Die alte Gelähmte bildet in ihrem Realismus einen starken Kontrast zu den Figuren der Heiligen: Sebastian, verwundet und an einen Baum gefesselt, schaut die Kranke an und Rocco, stehend, wendet seinen Blick nach oben, dem Göttlichen zu.
KIRCHE SANTA MARIA MADDALENA - Rampazzo (Camisano Vicentino) Das Gemälde stellt die Apotheose des Heiligen Gaetano Thiene dar, stammt aus der gleichen Zeit wie die Fresken von Valmarana (1757) und wurde von der Familie Tiene in Auftrag gegeben. Die kleine, auf dem Gemälde abgebildete Kirche soll an den Bau der Pfarrkirche nach dem Willen desselben Heiligen erinnern. Der Heilige Gaetano kommt, von Wolken getragen, beim Höchsten an. Wie Remo Schiavo unterstreicht, gibt der Künstler “zarten, leichten, roséfarbenen Tönen den Vorzug, wie in den Fresken der Villa Valmarana, die von Seidenstoffen und sanften Putten bestimmt werden“.
PALAZZO CHIERICATI – Vicenza, historisches Zentrum Es gibt drei Werke Tiepolos, die in der Stadtpinakothek verwahrt werden: “Die Unbefleckte” und “Die Zeit bringt die Wahrheit an den Tag” von Giambattista und “Die Köpfung des Täufers“ von Giandomenico. “Die Unbefleckte” kommt aus der herrlichen Kirche von Araceli. Das Altarbild befand sich im Altar des Kruzifixes, bis es 1830 vom Grafen Barbieri gekauft wurde. Die kostbarsten Details dieses Werkes, das auf etwa 1735 datiert werden kann, liegen in dem silbernen Gewand und in dem azurblauen Umhang. Die Farbtöne variieren: von ganz hellem bis zu Dunkelblau. Der rote Mantel der Engel rechts von der Heiligen Jungfrau wird gelb. "Il Tempo scopre la Verita'"(“Die Zeit bringt die Wahrheit an den Tag”) kommt aus dem Wohnsitz der Cordellina aus Montecchio Maggiore und stammt aus der gleichen Zeit wie die anderen Fresken der … (1743-44). Remo Schiavo zu Folge befand sich dieses Gemälde an der Decke der Vorhalle; das Motiv kommt in seinen Werken häufig vor und in diesem Fall verbindet es sich perfekt mit den Sujets der Fresken von Montecchio. Mittelpunkt des Gemäldes sind der weibliche Akt und die Tatsache, dass er, wie Andreina Ballaran im Katalog der Pinakothek bemerkt, "die ein wenig makabren Stellen dieser aufklärerischen Ethik fast verschwinden lässt, nämlich das "antike" Fleisch der alten Zeit, die Sichel, die Sanduhr, den Schiffbruch des Helden".. "La Decollazione di San Giovanni Battista" (“Die Köpfung von Johannes dem Täufer") schrieb man bis 1910 dem Vater zu. Es ist das einzige Werk von Giandomenico, das im Museum vorhanden ist. Das Gesicht des Heiligen ist der emotionale Mittelpunkt des Ereignisses: ein göttliches Licht erhellt es. Die Figur des Täufers steht der des Henkers gegenüber, und die Dunkelheit des Ortes vervielfacht die emotionale Ausstrahlung.
STADTMUSEUM - Bassano del Grappa, historisches Zentrum Im Stadtmuseum von Bassano befindet sich eine der größten Sammlung von Zeichnungen venetischer Künstler, insbesondere der "Corpus der Zeichnungen Riva" enthält Werke bekannter Künstler, speziell von Giambattista und seinem Sohn Giandomenico. Zudem beherbergt die Pinakothek ein Gemälde des Meisters, das auf die Jahre 1731/32 datiert wird und die Beschneidung darstellt. Von Giandomenico gibt es ein herrliches Bild der "Madonna con Bambino" (“Jungfrau mit Kind”). Das Kind ist in Bewegung, es streichelt das Gesicht der Mutter. Die Jungfrau hat einen sanften, lieblichen Gesichtsausdruck, der die mütterliche Liebe symbolisiert.
|